Zur Hochzeit die Kündigung


Dass auch Verbitterung und Traurigkeit mitschwingen bei einem Rückblick auf die vergangenen sechs Jahrzehnte, wurde Eli Wolf auf dem jüngsten Pfarrerinnentag deutlich, als sich eine ältere Kollegin an ihre erste Zeit als ordinierte Theologin erinnerte: „Mein Hochzeitsgeschenk war die Kündigung.“ Denn noch bis in die 60er Jahre galt die Zölibatsklausel für Frauen. Heiratete eine Vikarin, so musste sie, wie auch die staatlichen Beamtinnen, aus dem Amt ausscheiden.

Die ersten ordinierten Frauen durften sich auch noch nicht „Pfarrerin“ nennen. Sie durften kein Gemeindeamt versehen und erhielten nur 80 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Umso wichtiger sei es, betonte Eli Wolf, die Pfarrerinnen der ersten Generation zu würdigen, die mit ihren Kämpfen und Erfahrungen den Frauen „den Weg geebnet und Kirche zu einem besseren Ort gemacht haben“. Und auch die Frauen sind zu achten, die damals aufgrund der schwierigen Situation schließlich nicht Pfarrerinnen wurden, sondern ein anderes Studienfach wählten oder in den Schuldienst gingen.

    Befragen ließen sich an diesem Abend:

  1. Regina Westphal als junge Pfarrerin und in Erwartung des ersten Kindes  Inge Volp, Religionspädagogin i.R.
  2. Sigrid Bernhardt-Müller, Juristin und Leiterin der Kirchenverwaltung der EKHN
  3. Juanita Lasut, Pfarrerin der indonesischen Gemeinde in der EKHN
  4. Helga Trösken, Pfarrerin und Pröpstin von Rhein-Main i.R.
  5. Brigitte Jahn-Lennig, Studienrätin
  6. Astrid Standhartinger, Pfarrerin i.R. und Mutter von 4 Kindern
Regina Westphal, Pfarrerin Inge Volp, Religionslehrerin i.R.
Sigrid Bernhard-Müller, Juristin und Leiterin der Kirchenverwaltung Juanita Lasuut, Pfarrerin der indonesischen Gemeinde in der EKHN
Helga Trösken, Pfarrerin und Pröpstin i.R. Brigitte Jahn-Lennig, Studienrätin
Astrid Standhartinger, Pfarrerin i.R. Ein Dankeschön an alle, die aus ihrem Leben erzählt hatten
Am Schluss gab es für alle einen bunten Blumenstrauß als Dank.

Das Schlusswort sprach die amtierende Pröpstin für Rhein-Main Gabriele Scherle. Wegen der großen Wärme an diesem Abend und für alle Fussballbegeisterten schloss die Veranstaltung um 21 Uhr. So konnten viele wenigstens noch die zweite Halbzeit anschauen...

Sich gegenseitig stärken

Heute ist rund ein Drittel der Pfarrerinnen und Pfarrer weiblich. Pfarrerinnen haben kirchliche Leitungsämter inne. Frauen gestalten als Ehrenamtliche und als Theologinnen Kirche und füllen sie mit Leben. „Heute ist es selbstverständlich, dass Frauen Theologie studieren“, sagt Eli Wolf. Und Pfarrerinnen gelten oft als besonders kommunikativ und zugewandt. Macht, Autorität und Stärke assoziierten aber die wenigsten Menschen mit einer Pfarrerin.

Es gebe eine hohe Wertschätzung von Frauen innerhalb der evangelischen Kirche, resümierte Eli Wolf. Gleichzeitig sei das Pfarramt nach wie vor ein männliches Amt. Wichtig ist ihr daher, die Geschichte der Ordination von Frauen in der EKHN näher zu beleuchten, sie in der Reihe „Frau Macht Religion“ in einen Kontext mit anderen Religionen zu stellen, sich mit Frauen anderer Religionen gegenseitig zu stärken und sich die Frage zu stellen: „Was heißt das Pfarramt für Frauen heute?“. Denn für Eli Wolf verändern Pfarrerinnen nicht nur die Kirche und das Menschenbild. „Mit der Ordination repräsentieren Frauen Gott auf Erden.“       

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